Brillengestelle oder Brillenfassungen sind der Teil der Brille, der nicht aus dem eigentlichen Brillenglas besteht. Zum Brillengestell gehören die das Glas umrahmenden Rundungen, die Brillenbügel und ihre Scharniere sowie alle Schrauben und die Nasenflügel oder Nasenpads, die für den Sitz der Brille auf der Nase sorgen. Waren Brillengestelle früher eher einseitig und funktional, so hat sich inzwischen ein riesiger Modezweig rund um die Brille entwickelt.
Top-modische Brillengestelle
Wer in den frühen 60er Jahren Kind war und das Pech hatte, eine Brille tragen zu müssen, der benötigte schon sehr viel Selbstbewusstsein, um dem Spott seiner Mitschüler trotzden zu können. Die damaligen Brillenfassungen verdienten tatsächlich noch die Bezeichnung “Gestell” und zeichneten sich durch auffällige Hässlichkeit aus. Die Brille wurde seinerzeit als rein funktionales Übel betrachtet, daher wurde ihrem Aussehen auch nur vergleichsweise wenig Wert beigemessen. Horn und Metallgestelle wurden erst zu Anfang der 70er Jahre von optisch etwas attraktiveren Kunststoffgestellen abgelöst, die aber ebenfalls wenig Auswahlmöglichkeiten an Form und Farbe boten. Erst in den 70er Jahren avancierte die Brille zu einem eigeneständigen modischen Accessoire. In den 80er und 90er Jahren wurde diese Entwicklung nach Herzenslust kultiviert und die Vielfalt kannte plötzlich keine Grenzen mehr. Es galt: Je bunter und auffälliger, desto besser. Der Brillenträger signalisierte mit unglaublichen Kreationen schon auf größte Entfernung seine Individualität. Erst in der Mitte der 90er Jahre fand die Trendwende zur Reduktion statt. Die schreienden Modelle wurden durch zurück tretende, aber bei näherem Hinsehen sehr feine Kreationen abgelöst. Mittlerweile sind fast alle Stilrichtungen auf dem Brillenmarkt vertreten, der Trend geht jedoch weiter zur technisch raffinierten Brille in schlichter Optik. Erst bei einem zweiten Blick auf raffinierte Scharnier- und Klappmechanismen oder extrem technisch ausgearbeitete Finessen fällt inzwischen die Qualität einer Brillenfassung ins Auge.
Wie viele Brillengestelle braucht der Mensch?
Immer noch gibt es Brillenträger, die sich in ihrem Leben eine oder maximal zwei Brillenfassungen kaufen, die sie dann so lange tragen, bis sie ihnen buchstäblich von der Nase fallen. Diese Dauernutzer zählen jedoch zu einer aussterbenden Spezies. Längst haben Brillenträger aus der Not eine Tugend gemacht und die Brille als modisches Accessoire und als Statussymbol entdeckt. Dabei bewegt man sich in der erlesenen Gemeinschaft von Leidensgenossen, denn meist wird die Qualität einer Brille nur von jemandem wahrgenommen, der sich notgedrungen selbst mit dem Thema beschäftigen muss. So wurde über die Jahre aus dem Brillenträger ein Brillensammler. Manche Brillenträger besitzen bis zu 5 oder mehr verschiedene Brillen. Was vor allem dann kostspielig wird, wenn sich die benötigte Glasstärke ändert und in allen Gestellen neue Gläser eingeschliffen werden müssen. Doch kein Grund zum Verzagen: Der Brillensammler nutzt den Besuch bei seinem Optiker gleich zu einer neuen Investition in ein weiteres Gestell. Viele Brillenträger argumentieren damit, dass sie ihre Brille schließlich an zentraler Stelle mitten im Gesicht tragen, und es deshalb besonders wichtig ist, modisch nicht nur auf der Höhe, sondern auch stets farblich passend abgestimmt zu sein.
Was sind Kassengestelle?
Die einstmals etwas verpönten Kassengestelle sind inzwischen auch fast schon ein Relikt aus der Vergangenheit. Die Bezeichnung “Kassengestell” stammt aus der Zeit, als die Krankenkassen den Brillenkauf noch nennenswert bezuschussten. Wer kein großes Budget investieren wollte oder konnte, der konnte seine neue Brille aus einem meist überschaubaren Angebot an Gratisgestellen auswählen. Diese Gratisgestelle wurden von der Krankenkasse finanziert, boten also die Möglichkeit für eine Brille zum Nulltarif. Kassengestelle zeichneten sich vor allem durch ihre Robustheit und ihr vergleichsweise einfallsloses Design aus. Zwar können sie am Träger nicht einwandfrei als Kassengestell identifiziert werden, dennoch waren die meisten Brillenträger nicht wirklich begeistert von dieser preisgünstigen Alternative. Wollte man wirklich eine Brille zum Nulltarif, so musste man auch ein entsprechend günstiges Brillenglas dazu auswählen. Günstige Brillengläser sind aber grober im Schliff, also vom Material dicker, nicht entspiegelt und auch nicht getönt. Inzwischen werden Brillengestelle nicht mehr in diesem Maße von den Krankenkassen bezuschusst. Nur noch einzelne Modelle sind zu günstigeren Konditionen zu bekommen. Dafür auch dann, wenn man kein ärztliches Rezept vorlegen kann.
Randlose Brillengestelle
Viele Brillenträger lehnen randlose Brillengestelle komplett ab. Dies hat die unterschiedlichsten Gründe. Bei einer randlosen Brille ist das Brillenglas nicht von Metall oder Kunststoff eingefasst, sondern scheint frei im Raum zu schweben. Die Brillengläser werden nur über den Nasensteg verbunden und mit Brillenbügeln seitlich fixiert. Dabei werden die Anschlussteile mittels sehr feiner Bohrungen und Schrauben direkt im Glas befestigt. Die Montage und Einstellung einer randlosen Brille ist also vergleichsweise schwierig und aufwändig. Leider müssen randlose Brillen auch mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Man sollte sie niemals auf dem Glas ablegen, sondern immer zusammenfalten und in der Schutzhülle aufbewahren. Stöße verzeiht sie nur schwer, und schnell ist das empfindliche Glas beschädigt, da es nicht von einer schützenden Umrahmung eingefasst ist. Auch können sich randlose Brillen schnell verbiegen und dann schief im Gesicht stehen, was ein häufigeres Anpassen beim Optiker nach sich ziehen kann. Dennoch sind randlose Brillen begehrt, da sie auf unauffällige Weise kleidsam sind und optisch keinen Störfaktor im Gesicht darstellen. Besonders Menschen mit einem schmalen und zarten Gesicht können deshalb randlose Brillen besonders gut tragen. Zudem gelten Träger randloser Brillen als gebildet und intelligent. Attribute, die Brillenträgern generell zugeschrieben werden. Auch hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht.
Brillengestelle für Kinder
Die Zeiten, in denen Kinder ihre Brillen nicht in der Schule tragen wollten, sind längst vorbei. Denn die Brille gilt längst nicht mehr als hässliches Streber Accessoire, sondern liegt auch für Kinder voll im Trend. Lustige Designs und flippige Formen lassen Kinder mit bunten Brillen schlau und aufgeweckt aussehen, und kein Kind muss heute mehr den Spott seiner Freunde fürchten, wenn es eine Brille trägt. Gleichzeitig führt das wachsende Bewusstsein von Eltern für Vorsorgeuntersuchungen dazu, dass schlechtes Sehvermögen heute viel früher diagnostiziert wird. Das heißt, im Klassenverbund haben prozentual gesehen viel mehr Schüler eine Brille als früher. Die Brille bei Kindern ist also durchaus gesellschaftsfähig geworden. Natürlich fällt es vielen Kindern schwer, auf ihre Brille gut acht zu geben. Besonders beim Spielen und Toben kann eine Brille schnell herunter fallen oder von der Nase gerissen werden. Deshalb sollten Brillengestelle für Kinder besonders robust sein und aus Materialien, die nicht brechen und an den Bruchstellen zu Verletzungen führen können. Ideal für Kinder sind die neuen Titanbrillen. Das leichte, dünne Titanmetall ist extrem flexibel und verkraftet es, auch einmal böse verbogen zu werden. Im Normalfall nimmt es gleich wieder seine ursprüngliche Form an, und der Brille ist nichts passiert. Sehr beliebt bei Kindern sind auch so genannte Themenbrillen, die zum Beispiel wie eine Tigerente oder in den Farben eines angesagten Fußballclubs lackiert sind.
Brillengestelle richtig aufbewahren und reinigen
Besonders wer seine Brille nur zum Lesen oder für die Arbeit am Computer benötigt, tendiert dazu, sie häufig zu suchen. Deshalb ist es sinnvoll, die Brille an einem bestimmten Platz aufzubewahren und auch konsequent immer nur dort abzulegen. Um die Brille zu schonen empfiehlt es sich, sie immer in ihrer Schutzhülle oder in ihrer Brillenschachtel aufzubewahren. Das macht zwar etwas Mühe, doch ist das Brillengestell dort am besten geschützt. Übrigens: Der sicherste Ort für die Brille ist immer noch, wenn sie getragen wird. Denn jeder Mensch gibt auf sein eigenes Gesicht besonders gut acht. Eine gute Hilfestellung bieten auch Brillenketten, die es sowohl für Damen als auch für Herren gibt. Mittels zweier Ösen wird die Brille an den Bügelenden mit der Kette verbunden. Während sie nicht benötigt wird, kann man sie bequem als Kette um den Hals tragen oder in der Brusttasche verschwinden lassen. Manche Brillenketten sind so dekorativ, dass sie wie ein Schmuck wirken. Idealerweise kann man die Brille mit einem Tropfen Spülmittel und unter fließendem Wasser reinigen. Dabei sollte man nicht nur die Gläser säubern, sondern auch die Nasenpads und die hinteren Enden der Brillenbügel, an denen sich gerne Hautschüppchen ansetzen. In regelmäßigen Abständen kann man die Brille auch beim Optiker im Ultraschallbad reinigen lassen. Der Optiker wird auch gleich die Scharniere warten und den optimalen Sitz überprüfen.